Schulung „Umgang mit traumatisierten und psychisch belasteten Flüchtlingen“

Am 25. März 2017 fand im Caritas Förderzentrum in Queichheim die Schulung „Umgang mit traumatisierten und psychisch belasteten Flüchtlingen“ für Caritas-Ehrenamtliche statt. Um 9 Uhr starteten die Referentinnen Frau Dondelinger und Frau Suvajac vom Internationalen Frauen- und Familienzentrum Heidelberg mit einem Theorie-Teil in Form einer Power Point Präsentation. Hier wurde der Begriff „Trauma“ genauer erläutert, um Verwechslungen mit anderen seelischen Krankheiten zu vermeiden. Auch stellten die Referentinnen das Internationale Frauen- und Familienzentrum, das vor allem Frauen mit Migrationshintergrund berät, vor. Die meisten der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle haben selber auch einen Migrationshintergrund. So können sie u. a. Beratungen in vielen verschiedenen Sprachen anbieten.

Der zweite Teil der Schulung begann mit einer Vorstellrunde, in der die Teilnehmer/innen über ihre Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit berichteten. Anschließend wurden die eigene Haltung und die Erwartungen Flüchtlingen gegenüber reflektiert.

Nach einer Stärkung ging es in den zweiten Block über, der das Thema „Psychohygiene“ behandelte. Hier zeigten die Referentinnen den Kursteilnehmer/innen Methoden um „sekundäre Traumafolgen“ zu verhindern. Das heißt: wie schafft man es bei häufigem Kontakt mit traumatisierten Menschen selbst gesund zu bleiben? Welche Ressourcen haben wir, um diese Last loszuwerden? Oder: Was mache ich persönlich, um mit dem Erlebten oder Erzählten klarzukommen? Hierzu gab es viele Anregungen und eigene Methoden vonseiten der Teilnehmer/innen. Zum Beispiel:  Gespräche und Austausch mit Freunden, Verwandten oder Kollegen oder das Hören von Musik, Wandern und Gartenarbeit. Die Referentinnen betonten die Wichtigkeit der Pflege der eigenen Psyche, auch damit man überhaupt weiterhin in der Lage ist, anderen zu helfen. Es gab weitere Informationen und Methoden um zeitliche und fachliche Grenzen zu setzen und sie wiesen auch darauf hin, wie wichtig es ist regelmäßig eine Auszeit von seiner Aufgabe zu nehmen. Urlaub nannten sie einen der wichtigsten Punkte zur Erhaltung der eigenen Gesundheit. Allerdings entspannen immer wiederkehrende Kurzausflüge mehr als ein mehrwöchiger Urlaub einmal pro Jahr, meinten die Referentinnen.

Um 12:00 Uhr gab es nochmals eine kleine Pause. Danach hatten die Ehrenamtlichen Zeit, ihre Fragen an die Kursleiterinnen zu stellen. Und so gab es einige, teils äußerst wichtige Erkenntnisse. Beispielsweise sagte Frau Dondelinger, dass man als Ehrenamtliche/r, die Geflüchteten nicht ermuntern sollte, über ihre traumatischen Erlebnisse zu erzählen, da man für die Konfrontation mit dem Erlebten geschulte Personen braucht. Es benötigt mehrere Dinge damit in professioneller Behandlung mit dem Trauma gearbeitet werden kann: traumatisierte Menschen brauchen eine sichere Umgebung und sichere Lebensumstände. Die sind im Asylverfahren zum Beispiel nicht gegeben. Des Weiteren benötigt es viel Zeit, regelmäßige z.B. wöchentliche Termine sind Vorraussetzung. Ehrenamtliche sollten auch zum Schutz der eigenen Psyche überlegen, ob sie spontan erzählte Erfahrungen oder auch gezeigte Bilder, die psychisch belastend sind, wirklich hören oder sehen wollen und wenn nicht, dies dem Gegenüber deutlich vermitteln. Die Kursleiterinnen betonten auch immer wieder wie wichtig das ehrenamtliche Engagement ist, da dieses eine jener stabilisierenden Säulen ist, die für Menschen mit einer traumatischen Erkrankung unerlässlich sind. Man sollte also keinesfalls denken, das eigene ehrenamtliche Arbeiten bewirke zu wenig, denn es sind diese kleinen Dinge, die summiert eine große Wirkung haben. Hauptsache ist, dass die Geflüchteten die Kontrolle über ihr Leben zurückerlangen. Hierbei sind die Ehrenamtlichen eine große Stütze für die Hauptamtlichen. Es gibt so vieles, das sie tun können. Gut ist es z.B. aktiv zu sein. Statt Geflüchtete immer zu Hause zu besuchen ist es besser, sie aus ihrer Wohnung herauszuholen – ein Spaziergang ist beispielsweise eine gute Ablenkung. Bewegung hilft außerdem sehr gut Erlebtes zu verarbeiten. Deswegen sind Sportangebote für Geflüchtete sehr hilfreich. Was die Ehrenamtlichen noch mitnehmen konnten, ist die Anregung offen zu arbeiten. Wenn etwas bemerkt wird, das seltsam erscheint, dann ist es immer wichtig nachzufragen und das Gespräch zu suchen.

Es war ein schöner und interessanter Vormittag und wir bedanken uns ganz herzlich bei Frau Dondelinger und Frau Suvajac für die wichtigen Impulse und bei den Teilnehmer/innen für die begeisterte und offene Mitarbeit.

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